Re: Aufbereitung von Abwasser einer Getränkeindustrieanlage

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Heiko am 03. August 2012 21:48:20:

Als Antwort auf: Re: Aufbereitung von Abwasser einer Getränkeindustrieanlage geschrieben von Meymol am 03. August 2012 18:37:40:

Hallo Meymol,
du wirst in jedem Fall eine Vorklärung und eine Weitergehende Reinigung benötigen. Szenario 1 wäre Anaerobe Vorbehandlung + nachgeschaltetes Aerob Verfahren oder Szenario 2: Flockung + Membranverfahren.

Für welches Verfahren man sich letztendlich entscheidet hängt von den Rahmenbedingungen ab. Im Fall von Szenario 1 wird weniger Schlamm (worauf ich später noch eingehe) anfallen als im Fall von Szenario 2, es wird Biogas anfallen welches du evtl. nutzen kannst und im Gegensatz zum aerob-Verfahren erspart man sich die Belüftung. Auf der anderen Seite müsste im Vorfeld geklärt werden welche Auswirkungen das Desinfektionsmittel auf die Biologie hätte (Vorversuche erforderlich!). Der Schlamm resultiert übrigens nicht nur aus den Feststoffen sondern auch aus in der Biologie gebildeter Biomasse. Die Mikro-Organismen machen die Arbeit nicht selbstlos, sondern ihr Primärziel ist sich zu vermehren. Irgendwo habe ich auch konkrete Angaben darüber welche Schlamm- und Biogasmenge bei welchem Abbau zu erwarten ist, kann ich die Tage mal posten.

Im Fall von Szenario 2 wird mehr Schlamm anfallen, man wird ein weitestgehend von seinen Feststoffen befreites Abwasser erhalten, was aber noch lange nicht direkt einleitfähig ist. Die gelösten Verbindungen müssen auch noch raus, das geht mit der Membran. Durch die Flockung wirst du vielleicht eine Reduzierung der CSB und BSB5 Belastung von ca. 50% erreichen (einmal kräftig auf den Bauch geschlagen!).

Insbesondere im Fall von Szenario 1 solltest du eine Vorgeschaltete Neutralisation anstreben, da die Methanbildner sich bei einem pH von ca. 7-8,5 am wohlsten fühlen.

Nun zum Schlamm: Schlamm ist ein Problem auf jeder Kläranlage und es stellt sich die Frage wie kann ich meinen Schlamm möglichst kostengünstig entsorgen. Primärziel sollte es sein den Schlamm durch Entwässerung in seinem Volumen soweit wie möglich zu reduzieren. Dazu empfiehlt es sich den Schlamm selber mal in die Hand zu nehmen, ihn abzutropfen, in der Hand zu entwässern um ein Gefühl für dessen Entwässerbarkeit zu bekommen. Daraufhin muss man sich Gedanken darüber machen wie werde ich meinen Schlamm los ... Nassverbrennung, Trocknung, evtl. Biogasanlage, etc. .

Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen,
Ein mundgerechtes Rezept kann leider aus der Ferne nicht gegeben werden.

Heiko

Hallo Heiko,
ich bedanke mich bei dir für die Infos und entschuldige mich zugleich für die späte Rückmeldung. :)
Also ich habe jetzt verstanden, dass aus den "Fremdstoffen" im Abwasser, im anaerob Verfahren Schlamm entsteht. Sind in diesem Schlamm auch schon die Laugenreste, Säuren und Desinfektionsmittelreste enthalten? Oder müsste man das Abwasser vorher durch das Zugeben von Säure bzw Lauge neutralisieren, sodass dieses Verfahren klappt.
Zusammenfassend habe ich am Ende des Verfahrens Wasser, frei von Fremstoffen und den angefallenen Schlamm. Macht jetzt noch die Membranfilterung einen Sinn, denn im gereinigten Wasser dürfte nichts fremdes mehr sein?
Was muss man aus dem Schlamm machen? Und wenn man die Memranfilterung einsetzt, was soll dann aus dem Konzentrat gemacht werden, vielleicht in die anaerob Anlage zurückleiten?
Das waren jetzt ziemlich viele Fragen, ich wäre sehr froh, wenn du mir (oder auch ein anderer) weiterhelfen könntet.
Viele und hoffnungsvolle Grüße
Meymol



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