Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Leonie am 27. November 2012 18:31:19:

Als Antwort auf: Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen geschrieben von KLärer55 am 27. November 2012 14:30:52:

Hallo Klärer55,
Vielen Dank für die Info's aus der Praxis. Für mich als Studentin der Umweltechnik im 6. Semester sind diese Infos besonders wertvoll. Es scheint als würde ich hier mit 3 gestandenen Männern debattieren und ich hoffe es stört euch nicht, dass ich noch nicht über soviel praktische Erfahrung verfüge.

Vieles was du schreibst habe ich bereits versucht Herrn DI Schiefer zu erörtern. Ich glaube was Herrn Schiefer stört sind die 359.000 Euro / 4730 t = 75,9 Euro/t Entsorgungskosten auf der Soll-Seite. Wie du sagst macht es zudem im Kraftwerk keinen Unterschied ob ich den Schlamm nass oder trocken verbrenne.

Die Frage ist was bringt mir eine Trocknung Vorort? Ein Bandtrockner hat einen Wärmebedarf zur Wasserverdampfung von ca. 1,0 bis 1,2 kWh/kg Wasser. Bei einem TS von 25% muss ich 75% Wasser verdampfen. Das bedeutet um 1 kg Trockenmasse zu produzieren muss ich 3 kg Wasser verdampfen. Wenn ich für den Input einen Brennwert von 16.000 kJ = 4,4 kWh zugrunde lege muss ich davon 1,1 kWh/kg * 3 kg = 3,3 kWh Wärmeenergie für die Trocknung aufwenden. 4,4 kWh - 3,3 kWh = 1,1 kWh * 0,85 (Wirkungsgrad Verbrennung) = 0,935 kWh zur Verfügung stehende Wärme.

Szenario 1 : Verstromung mit 40% Wirkungsgrad = 0,935 kWh * 0,4 = 0,374 kWh elek. ... bezogen auf den Input = 100 / 4,4 * 0,374 = 8,5 %
Szenario 2 : Verstromung mit 20 % Wirkungsgrad = 0,935 kWh * 0,2 = 0,187 kWh elek. ... bezogen auf den Input = 100 / 4,4 * 0,187 = 4,2 %

Farzit : Die Trocknung bringt mir nichts, mit der Faulung kann ich wesentlich mehr Strom erzeugen. Anders sieht es aus wenn wir über eine Solartrocknung sprechen und ich die Trocknung quasi geschenkt bekomme. Der Vorteil der Verbrennung bleibt, dass die Entsorgungskosten entfallen. Allerdings habe ich dann entsprechende Investkosten für die Verbrennung, Abluftreinigung, etc. .

Wie gesagt ich bin noch Studentin und bitte korrigiert mich wenn ich einen Fehler mache.

Danke!


Guten Tag!
Ich denke es wird sich hieraus eine sehr interessante Diskussion entwickeln. Damit wir auch mal mit ein paar Zahlen argumentieren können liefere ich welche (direkt aus der Praxis; keine theoretischen Ansätze).
Kläranlagegröße 115.000 EW mit Faulungsanlage.
Jahreswerte:
Input zur Faulung 2055 t TS
Output der Faulung 1182 t TS
Gaserzeugung : 917.000 m³ oder 5.960.000 kWh
Stromerzeugung: 1.764.000 kWh entspr. 60 % des Gesamtbedarfes der Kläranlage entspr. 350.313,- €
Wärmeerzeugung:2.311.000 kWh entspr. 100 % des Gesamtbedarfes(Kein Fremdbezug von Heizenergieträgern) entspr. 92.440,- €
Entsorgte Schlammmenge (in Braunkohlekraftwerk zur Mitverbrennung) 4730 t Kosten 359.000,- € incl. Transport
Eine vorherige Trocknung wäre in Erwägung zu ziehen, wenn die Transportkosten höher als der Mehraufwand für die Trocknung wäre.
Die Braunkohle hat einen Wassergehalt von 45 - 60 %, der Klärschlamm von 25 % bei einem Anteil von ca. 5 % Klärschlamm an der Kohle liegt der zusätzliche Wasseranteil im Schwankungsbereich der Braunkohle selbst, eine Berücksichtigung der Verdampfungsenergie des Wassers aus dem Klärschlamm ist nur theoretischer Natur
Dazu kommen die Vorteile der Faulung:
Der entwässerte Schlamm ist nahezu geruchsfrei. ( Geruch nach "Walderde" )
Eine Nachentgasung findet praktisch nicht statt.
Nachteile der Frischschlammentsorgung:
Deutliche Geruchsbelästigungen beim Eindicken,Entwässern und Verladen des Frischschlammes(in dicht besiedelten Gebieten nicht zu vernachlässigen)
Eine mögliche Entwässerung des Frischschlammes nur mit Polymeren mittels Siebbandpressen oder Zentrifugen wage ich zu bezweifeln.
Bei Kammerfilterpressen mittels Eisen/Kalkkonditionierung ist es möglich, führt aber zu unsäglichen Belastungen der Mitarbeiter durch Ammoniakdämpfe.
Die zusätzliche Kalkbeladung verringert auch den spez. Heizwert ist somit kontraproduktiv.
So da wären meine ersten Gedanken zu dem Thema
LG
Klärer55



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