Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Klärer55 am 11. Dezember 2012 21:18:31:

Als Antwort auf: Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen geschrieben von Heiko am 11. Dezember 2012 18:34:39:

Sehr geehrter Herr DI Schiefer,
die Spitze mit dem Perpetum Mobile kam von mir da Sie leider bisher keine überprüfbare Daten Ihres Verfahrens vorgelegt haben.
Ich sehe ein das das Problem sehr vielschichtig ist. Eine gemeinsame Behandlung von Primärschlamm und Überschußschlamm aus einer normalen Dentrifikation-/Nitrifikationsanlage ist aufgrund der entsehenden Geruchsbelästigung im dicht besiedelten Deutschland kaum möglich.
Also muß der Schlamm vor der Behandlung zunächst aerob stabilisiert werden, das bedeutet das Schlammalter steigt von 12 Tagen bei Anlagen mit getrennter anaerober Stabilisierung auf min. 25 Tage, daraus folgt automatisch ein wesentlich größeres Belebungsbecken und ein deutlich erhöher Sauerstoffbedarf(=höherer Stromverbrauch). Der Rohschlamm beider Anlagen bleibt überschlägig gleich( 60g TS/EWxd).
Bei 100.000 EW sind das 6000 kgTS/d
Für die Faulung entsehen Bau und Betriebskosten die jedoch durch die Gewinnung von Strom und Wärme aus dem Gas nahezu kostenneutral werden.( Wie schon ausgeführt bei unserer Anlage keine Fremdenergie für Wärme und ein Eigennutzungsgrad beim Stom von 60 - 70 %.
Durch die Faulung werden nunmehr 40 % in Gas umgewandelt somit müssen nur noch 3600 kgTS/d entwässert und verwertet werden.
Bei Ihrer Anlage müssen immer noch 6000 kgTS/d weiterbehandelt werden.
Das bedeutet Sie brauchen eine größeres Entwässerungsaggregat bzw. längere Betriebszeiten, sie benötigen mehr Flockungshilfsmittel, mehr elektr. Antriebsenergie, höhere Personalkosten, höhere Wartungskosten etc
Nach der Entwässerung bleiben die TS-Massen logischer Weise gleich, als weiterzubehandelnde Mengen fallen jedoch an:
anaerobe(Faulung) Stabilisierung 3600 kgTS/d / 270 kgTS/t = 13,3 t
Aerobe Stabilisierung 6000 kgTS/d / 220 kgTS/t = 27,3t
Für die thermische Mitverwertung im Braunkohlekraftwerk fallen nunmehr an rd 13,3 t x € 73,5 = € 977,50/ d
Die spezifischen Werte Ihres Verfahrens(Investkosten, Betriebskosten etc) mögen Sie mit den 6000 kg TS/d multiplizieren
und den Wert darstellen.
Aus der Literatur entnahm ich folgende Werte :
Trocknung 100 - 160 € / t TS
Verbrennung 80 € / t TS entspr. i. M . 210 € / t TS somit bei 6 t TS = € 1260 / d
Eine Trocknung mit anschließender Verbrennung rechnet sich also nur wenn die Wärme als Abfall umsonst zur Verfügung gestellt wird, was allerdings wenn ein Bedarf festgestellt wird auszuschließen ist, oder für den getrockneten Schlamm ein Erlös erzielt werden kann, was derzeit nicht abzusehen ist.

Mit freundlichen Grüßen!!
Klärer55



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