Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Dipl. Ing. Werner Schiefer am 14. Dezember 2012 21:13:18:

Als Antwort auf: Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen geschrieben von Heiko am 11. Dezember 2012 18:34:39:

Sehr geehrte Damen und Herren, hoffe mein Zeitmangel wird nicht als Ausweichmanöver interpretiert. Ich werde mich bemühen, einige Zahlen zu liefern. Ich hoffe Sie haben Verständnis für meine gezeigte Befindlichkeit bezüglich des "Perpetuum Mobile". Es ist, so denke ich, nicht verwunderlich, wenn man das Potential des "neuen Verfahrens" mit dem vergleicht, was heute Stand der Technik ist. Vielleicht reicht da nicht einmal die Entfernung zu Kepler-22b aus. Die Tendenz, Dinge dann als "zu gut, um wahr zu sein" oder die agierenden für Phantasten zu halten, ist durchaus verständlich. Oft gibt es jedoch Grund genug, aufeinander zuzugehen, sei die Entfernung auch noch so groß. Schließlich ist die Entwicklung in der Schlammbehandlung und dessen Verwertung nicht abgeschlossen, und das ist so sicher, wie wir einst die "Neandertaler von morgen" sein werden. Ich möchte heute lediglich eine Frage stellen, deren Inhalt durchwegs nicht akademisch ist und daher auch keiner akademischen Antwort bedarf. => Wenn ich heute einem Schlamm zwecks seiner Entsorgung per Verbrennung (meist durch kostenverursachende Dritte!!!) energiehältige Substanzen zuführe und/oder Energie aufbringe, um diesen "brennend zu machen", ist es da vorteilhaft, wenn ich diesem Schlamm morgen Energie entziehe, um anschließend die ihm nun fehlende Energie durch ein Mehr an energiehältigen Substanzen und/oder aufgewendeter Energie bei seiner Verbrennung zurückzugeben? Oder kürzer: Hat die Entnahme von Energie einen positiven Effekt auf seine Brennbarkeit? <= Meine Antwort ist: wohl kaum! Es gibt da für mich nicht einmal einen Unterschied bezüglich betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Überlegungen. Die Rechnung einer (grünen)Politikerin, die stolz darauf verweist, dass man per Energieentnahme aus kommunalem Klärschlamm der Umwelt CO2 erspare, kann ich nicht nachvollziehen. Können Sie das? Die Gesamtbelastung wird eher höher sein. Die ganze Debatte würde anders verlaufen, wenn der Schlamm so wie damals, als er auf den Äckern landete, "verwertet" würde. Da dies aus guten Gründen heute nicht mehr stattfindet, tut sich, meines Erachtens, hier ein Problem auf. Sehen Sie das anders? Mache ich hier gedanklich einen Fehler? Bedarf es garnicht einer zusätzlichen Energie bei der Verbrennung von nassem Schlamm, sodaß es belanglos ist, ob ich ihm vor seiner Verbrennung Energie entnehme? Ich behaupte, dass sich obige Frage(n) mit einem normalen Taschenrechner nachrechnen lassen. Das dabei aufscheinende Ergebnis ist mit einer der Gründe, weshalb wir alle nach Alternativen suchen müssen. Ich (und wahrscheinlich auch Sie) bin der Meinung, dass kommunaler Klärschlamm ein ausgezeichneter, wertvoller Energieträger ist. Hätten wir keine Entsorgungskosten, dann würden wir uns garantiert mit etwas anderem beschäftigen. Die Realität ist, wir haben (gesalzene) Entsorgungskosten für einen exzellenten Energieträger!
Übrigens, ich bin nicht der, der Faultürme als "Energievernichter" bezeichnet hat. Schließlich kann man ja die entnommene Energie verwerten. "Energie-Entnehmer" oder "Brennwert-Reduzierer" sind sie allemal. Da sind wohl Herrn Merai die Emotionen aufs Papier gerutscht! Danke für Ihr Interesse und Ihre Geduld! Wie gesagt: ES KOMMEN ZAHLEN

Wir befinden uns keineswegs in einer Schlacht mit Ihnen. Jedoch entfernt sich die angebliche Performance Ihres Verfahrens weiter von allem bisher Bekannten als Kepler-22b von der Erde. Das dies kritische Fragen auswirft, welche es zu beantworten gilt und Sie praktisch zwangsweise in eine Verteidigungsposition drängt sollte Sie eigentlich nicht sonderlich überraschen. Ich gebe Ihnen auch in weiten Teilen was Sie schreiben ohne Frage Recht, insbesondere was die Entsorgungskosten betrifft. Denifitiv daneben liegen Sie allerdings mit Ihrer Behauptung, der Faulturm sei ein Energievernichter. Unsere Leonie hat bereits detailliert das Gegenteil erörtert und für die ich an dieser Stelle übernehme. Ich kann mir Ihr System sehr gut in einem Industriebetrieb vorstellen wo genügend Abfallwärme für die Trocknung anfällt . Auf einer kommunalen Kläranlage hingegen wird Ihr System was die Energieausbeute betrifft nicht mit einer ordentlich arbeitenden Faulung konkurrieren können. Zudem scheint bei Ihrem Verfahren noch der Teufel im Detail zu stecken, bzw. es werden zu hohe, nicht erfüllbare Erwartungen gestellt (Stichwort Energiebedarf für die Trocknung, Flächenbedarf von nur 5% für eine komplette KA laut Beitrag von Herrn Josef Merai vom 26.11 , Erzielbarer TS für die Entwässerung von Rohschlamm, etc. ). Das kann nicht funktionieren! Die Liste ist noch lang, bei Interesse und um die Diskretion zu wahren erörtere ich Ihnen das auch gerne per Email.
Was ich von Ihrer Seite aus komplett vermisse sind Zahlen aus der Praxis. Wir interessieren uns beispielsweise besonders für Biologische Reinigungssysteme und auf der AQUEX Webseite wird mit einer Referenz in Korea zur Aufbereitung von Schweinegülle inkl. Filtrataufbereitung (Dong Kwang Ri, Jeju Island) geworben. Können Sie mir für die Filtratbehandlung ein paar Zahlen nennen? Nicht viel, lediglich für den Eingang und Ausgang CSB, BSB, Stickstoffe, den Volumenstrom und das Reaktorvolumen. Alternativ falls schon fertiggestellt für die Anlage Malaysia. Zudem wäre interessant zu erfahren, wie groß der Marktanteil Ihres Trocknungsverfahren ist und wieviele Anlagen Sie in den letzten 5 Jahren verkauft haben.
Ich bedanke mich!

Hallo, Klärer55, tut mir leid, dass Sie den Eindruck haben, es gäbe von meiner Seite kein Input mehr, aber es gibt Dinge, die ich tun muss, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Gestatten Sie mir jedoch, bevor wir hier weitermachen die Bemerkung, dass der Ton und die Art der Diskussion auf einen Modus von "Angriff und Verteidigung" umgeschlagen ist.Das ist zeitenweise mein Eindruck. "So sind Sie die Erfinder des Perpetum mobile, hakt man nach wird es sehr schnell dunkel" ist nur eine Bemerkung. Sie haben uns im Forum Informationen bezüglich Ihrer Kläranlage zukommen lassen und ich habe mir erlaubt einige Berechnungen, basierend auf diesen Zahlen zu erstellen/erstellen zu lassen. Hierzu bedarf es aber Zeit, da das Thema nicht auf das Aufstellen einer Schlammtrocknungsanlage zu reduzieren ist. SO EINFACH IST DAS AUCH WIEDER NICHT! Vielleicht wäre es an dieser Stelle angebracht, mal nicht das Trennende hervorzuheben, sondern zusammenzufassen, welche Übereinstimmungen (und Ziele) wir haben. Die Meinung, wie man diese Ziele am Besten erreicht kann dann kontrovers sein. Ein gemeinsames Ziel (so nehme ich stark an) ist die Kostenreduktion. Kostenreduktion durch effektive Entwässerung des Schlammes und/oder Trocknung ist - seit es Schlämme gibt - ein wichtiges Thema. Zu der Aussage, dass ein getrockneter Schlamm (98% TS)de facto kein Schlamm mehr ist und somit keine Entsorgungskosten für Schlamm anfallen, wurde mit keinem Wort kommentiert. Eine solche Aussage bedarf nicht der Prüfung mittels Taschenrechner! Selbst die Methode der Pelletierung, als wichtige Maßnahme zu dessen Austrocknung bleibt undiskutiert. Was kann es dieser Diskussion nützen, wenn ich Ihnen eine (nachvollziehbare) Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlege, die Ihnen zeigt, dass Sie bei der Schlammaufbereitung/-entsorgung von 572,00 €/t TM auf 161,69 €/ TM fallen, wenn wir scheinbar nicht Übereinstimmung darin haben, dass ein Faulturm nicht das gesamte Energiepotential des Schlammes nutzt, den Schlamm in seinem Energiegehalt "entwertet" (und doch verbrannt werden muss!) sowie das Entsorgungsproblem und die dadurch entstehenden Kosten nicht beseitigt? Ist es so schwer nachzuvollziehen, dass allein der mögliche Wegfall von Entsorgungskosten (bei der KA Wien sind es 180.000t/a!!!) einen positiven Effekt auf das Thema KOSTENEINSPARUNG hat? Was hat das mit einem Pepetuum Mobile zu tun? Hier geht es nicht um eine WUNDERMASCHINE! Es geht um ein Verfahren, das sich ausschliesslich bewährter Technologien bedient! Glaubt jemand ernsthaft, dass eine Pelletiermaschine in Kombination mit einem Schachtrieseltrockner, gefolgt von einer Verbrennungsanlage aufgrund ihrer Aufstellung in einer Trocknungsanlage nicht mehr funktionieren? Das ist doch absurd!!! Selbst wenn Sie Ihren Faulturm weiter betreiben und anschliessend den Faulschlamm austrocknen würden, reduzieren Sie Ihre Kosten! Ich habe lediglich behauptet, dass der Faulturm zur Energiegewinnung (in diesem Fall) obsolet wird.
Ich kann mich nur wiederholen: Zweiflern empfehle ich eine PILOTANLAGE oder vom Verfahrensgeber ein Angebot über die (ausgelagerte) Schlammbehandlung erstellen zu lassen, ohne jegliches technische und finanzielle Risiko. Sie können 10 Jahre lang jedes Jahr 10% Ihrer momentanen Entsorgungskosten einsparen und sich entspannt von der Funktionstüchtigkeit des Verfahrens überzeugen! Nach Ablauf der 10 Jahre haben Sie dann Gelegenheit die Anlage zu kaufen, den Vertrag zu verlängern oder zu kündigen!
Egal, was Sie tun werden, bitte unterstellen Sie mir nicht, ich vertrete mit großem zeitlichen Aufwand und BLAH-BLAH eine Neuauflage des mittelalterlichen "Perpetuum Mobile".
Zum (heutigen) Schluß bitte ich Sie mir mitzuteilen, ob ich die Berechnungen bezüglich Ihrer KA -zwecks Diskussion - einstellen soll (ziemlich umfangreich!!) oder ob ich sie Ihnen anderweitig zukommen lassen soll. Sie können ja dann entscheiden, was Eingang ins Forum haben soll. Bitte entschuldigen Sie meinen Auslandsaufenthalt und meine sonstige Arbeit, die mich gelegentlich vom Schreiben/Diskutieren abhalten. Mit freundlichen Grüßen!!



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