Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Dipl. Ing. Werner Schiefer am 24. Januar 2013 13:24:22:

Als Antwort auf: Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen geschrieben von Heiko am 23. Januar 2013 22:30:40:

Hallo Heiko, ich nehme es zur Kenntnis, dass Sie zu den Gesetzen der Thermodynmik bzw. zu der Energiebilanz keine Stellung beziehen wollen. Klärer55 hat - so glaube ich - vermutet, ich würde mich auf das EOS-Projekt der Stadt Wien "einschießen". Dies ist nicht der Fall, aber Wien liegt vor meiner Haustür und die dortige KA hat als Nachbarn eine riesige Müllverbrennungsanlage, mit der die KA eng kooperiert. Weiterhin ist das anfallende Schlammvolumen und damit die Entsorgungskosten so groß, dass es keinen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer Schlammtrocknung gibt. Wenn die Abfallwärme nicht aus einer Energiegewinnung aus getrocknetem Schlamm stammen soll, so gibt es dort - ohne nennenswerten Verlust, genügend Abfallwärme für dessen Trocknung, die der KA "überlassen" werden kann. Sie meinen, es gehe hier nur um Energiegewinnung aus Schlamm. Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass es die Entsorgungsproblematik zu lösen gilt, die mit immensen Kosten zu Buche schlägt. Hierzu kann eine effiziente Fest-/Flüssigtrennung, unmittelbar am Einlauf der KA beitragen. Sie können so die Biologie erheblich entlasten, da über die Hälfte der CSB- und BSB5-Belastung durch die Festpartikel verursacht wird. Die folgende Entwässerung des Schlammes sowie dessen weitere Eindickung auf 30% TS kann aber nicht im Interesse einer Ausfaulung sein, wohl aber die Grundvoraussetzung schaffen, den Schlamm zu trocknen. Sie verschieben mit der Ausfaulung das Problem in den Entsorgungsbereich, da man dem brennwertreduzierten Schlamm seine entnommene Energie, zwecks Verbrennung, wieder zuführen muss. Wie man damit Nachhaltigkeit erreicht haben will bzw. wie ein solches Verfahren mit den Zielen des Abfallwirtschaftsgesetzes in Einklang steht, auf diese Ausführungen bin ich gespannt.
Zwei Dinge noch: 1.)Sobald man eine pelletierbare Schlammkonsistenz erreicht hat (ca. 50% TS) steht einer wirtschaftlichen Trocknung - und damit einer Lösung der Entsorgungsproblematik - nichts mehr im Wege. 2.) Wer der Meinung ist, dass wirtschaftliche Schammtrocknung nicht möglich ist, sollten nicht mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, dass es ihnen einer (nicht etwa einredet, sondern)beweist.
Vielen Dank!

Herr Dipl. Ing. Werner Schiefer,
Sie wollen es einfach nicht verstehen. Dann frage ich Sie welchen energetischen Nutzen versprechen Sie sich und woher soll die Abfallwärme überhaupt stammen? Auf den Kläranlagen die ich kenne ist keine vorhanden. Für flüssige und nasse Brennstoffe wie beispielsweise Klärschlamm ist die Faulung das Mittel der Wahl. Es wird gewiss niemand auf die Idee kommen Braunkohle oder Holzhackschnitzel zu faulen. Sollte einleuchtend sein, worauf ich hinaus will ist die Frage ab welchem TS sich eine Trocknung mit anschließender Verbrennung Ihrer Meinung nach lohnt. An dieser Stelle können Sie mit Zahlen aus der Praxis glänzen. Um in den Plus-Bereich zu kommen muss mehr Energie aus dem Schlamm herausgeholt werden, als für die Wasserverdampfung bei der Verbrennung oder Trocknung benötigt wird. Klärschlamm brennt ab ca. 40% autark, wir können uns gerne über 5% +- streiten. Wenn man jedoch so verschwenderisch mit der Energie umgeht - ich weis Sie hassen mich wenn ich Sätze zittiere - Herr DI Merai schrieb : "In dem AQUEX-Verfahren wird der Rohschlamm mit seiner vollen Energie verwertet und dies gleich dreimal hintereinander. Die Rauchgase werden nämlich nach der Stromerzeugung durch den Trockner geleitet und damit der Schlamm ausgetrocknet. Bei der darauf folgenden Rauchgasreinigung fällt noch immer Abfallwärme an, womit Warmwasser erzeugt werden kann." Behaupten Sie nicht wieder das ist aus der Feder gerutscht, auf der Firmenwebseite ist dies in ähnlichem Wortlaut nachzulesen. Also vielleicht besser nochmal 5 bis 10% mehr einplanen. D.h. Sie müssen bei der Entwässerung auf ca. 45-50% kommen, was Sie niemals erreichen werden. Bei der Faulung hingegen spielt der TS praktisch keine Rolle.
So das war's für heute!
Heiko

Hallo Heiko,
ich weiss nicht aus welchen Sätzen Sie den nützlichen Wegweiser in Richtung Schlammfaulung gefunden haben, aber vielleicht fällt es Ihnen nun leichter die Frage zu beantworten: Welchen Sinn macht es, den Kärschlamm durch Ausfaulung in seinem Brennwert zu reduzieren und ihn dann - unter Zugabe von Energie (die nun fehlende sowie zusätzliche) - zu verbrennen? Sie haben mir in vielen Punkten zugestimmt. Leider nie konkret in welchen Punkten. Sind wir in Sachen Energiebilanz und CO2-Equivalenten einer Meinung? Unterliegt das Projekt EOS den Gesetzen der Thermodynamik oder werden der Öffentlichkeit neue Wege in der Berechnung von Energiebilanzen vorenthalten? Ohne eine Antwort auf die gestellte Frage (zumindest auf deren ersten Teil) macht - wie Sie bereits selbst angemerkt haben - eine Diskussion zum Thema "Ausfaulung" oder "Austrocknung" von Schlämmen wenig Sinn, da wir gegensätzlicher Meinung und/oder Auslegung bezüglich der Gesetze der Thermodynamik sind. Selbst wenn es heute technisch nicht möglich wäre, Schlamm wirtschaftlich auszutrocknen (wobei ich behaupte, es ist möglich!) wird diese Möglichkeit - deren UNMACHBARKEIT durch nichts belegt ist - nicht in Betracht gezogen.
Ihr Gedanke, Braunkohle zu trocknen ist generell gut, jedoch das Ausgangsmaterial nicht pastös/teigartig (siehe Schlamm mit 50% TS), um es pelletieren zu können. Sie erinnern sich? Um Schlamm wirtschaftlich austrocknen zu können, muss er pelletiert werden, um ihn anschließend mit Abfallwärme trocknen zu können.
Die Überlegungen des Klärer55 beziehen sich auf die Situation, dass der Schlamm "seiner KA" an ein nahegelegenes Braunkohlekraftwerk übergeben wird. EOS sowie die meisten (oder alle) KA in Österreich haben nicht diesen (zweifelhaften) "Vorzug".
Ich bin der Meinung, Schlamm gehört gründlich entwässert, eingedickt, auf pelletierbare Konsistenz gebracht, mit Abfallwärme getrocknet und zur Energiegewinnung herangezogen, statt ihn einer (teuren)Entsorgung zuzuführen.
Gruß, Werner Schiefer
Es freut mich dass wir inzwischen zum Ergebnis gekommen sind, dass der Weg der Schlammfaulung richtig ist und wir nur noch über das Detail sprechen wo die Entwässerung erfolgen sollte. Ich möchte in diesem Zusammenhang nochmal den Satz von Klärer55
"Die Braunkohle hat einen Wassergehalt von 45 - 60 %, der Klärschlamm von 25 % bei einem Anteil von ca. 5 % Klärschlamm an der Kohle liegt der zusätzliche Wasseranteil im Schwankungsbereich der Braunkohle selbst"
aufgreifen. Im Umkehrschluss würde dies folglich bedeuten, dass wenn wir uns Gedanken über die Trocknung des Klärschlammes machen wir uns auch Gedanken über die Trocknung der Kohle machen müssten, welche ja schließlich 95% der Gesamtmasse ausmacht. Zudem gehe ich davon aus (Szenario theoretischer Natur) dass sich die Kohle wesentlich unproblematischer trocknen liese als der unbehandelte Klärschlamm.
Deshalb kann die Devise nur lauten: Die Vorteile der Schlammfaulung nutzen, entwässern und entsorgen.
Heiko
Hallo Klärer55,
das Angebot bleibt natürlich bestehen, selbst wenn es zur Zeit nicht benötigt wird. Ich habe einige Informationen zur Klärschlammtrocknung zusammengetragen. Unter anderem habe ich Infos (Wirtschaftlichkeitsberechnung) anhand der von Ihnen eingestellten Praxisdaten erarbeitet/erarbeiten lassen! Das ist aber so viel Text, da kommen Ihnen meine bisherigen Beiträge "kurz und bündig" vor. Wenn Sie wollen, lasse ich Ihnen diese Info auf anderem Wege zukommen (email?). Sie können ja dann entscheiden, ob eine Veröffentlichung in diesem Forum Sinn macht. Selbstverständlich sichere ich Ihnen Vertraulichen Umgang mit Ihrer Adresse zu. Ich habe (und will) nichts verkaufen! Gruß, W. Schiefer
P.S.: 1,8 Mio. Tonnen stehen 180.000 Tonnen gegenüber. Sollte preislich günstiger sein, auf das Pumpen zu verzichten. Leider gibt es keine Angaben bezüglich Entsorgungskosten pro Tonne!
Hallo
@ Dipl. Ing. Werner Schiefer,
Danke für das Angebot zur Versuchsanlage zur Schlammentwässerung. Leider kommt dies 2 Jahr zu spät, da damals Versuche mit verschiedenen Entwässerungsaggregaten gefahren wurden und wir uns für eine Zentrifuge mit besonderer Flockenaufbereitung entschieden haben. Diese Anlage wird zur Zeit installiert.
Bezüglich der Schlammentwässerung auf der Kläranlage Wien denke ich das es durchaus Sinn macht diese auf dem Werk Simmeringer Haide der Fernwärme Wien durchzuführen, da ein Schlamm mit 4 % TS besser zu pumpen ist als ein Schlamm mit 37 % TS.
LG
Klärer55



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