Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen

Diskussionsforum für Klärwärter und Abwassertechniker

Geschrieben von Dipl. Ing. Werner Schiefer am 29. Januar 2013 14:04:11:

Als Antwort auf: Re: Sinn und Unsinn von Schlammfaulungsanlagen geschrieben von Heiko am 24. Januar 2013 14:09:13:

Hallo Heiko!
Nun doch die nächste Runde! Vielleicht bedarf es gar nicht des Ingenieurs, noch des Philosophen! Die simpelste Berechnung basiert auf dem Fakt, dass einem Schlamm Energie entnommen wird. Dabei entstehen zwei Zahlen. Die eine Zahl beschreibt den Brennwert eines Rohschlammes, die zweite Zahl den Brennwert eines (aus dem Rohschlamm hervorgegangenen) Faulschlamms. Die Zahl des Energiegehaltes des Rohschlammes ist ein Zahlenwert, der höher ist, als der Zahlenwert des Faulschlammes. Die Differenz ist ein Wert, der zwischen der hohen Zahl des Rohschlammes und der niedrigeren Zahl des Faulschlammes liegt. Für diese Betrachtung spielt sie aber keine Rolle. Im zweiten Schritt können sie den beiden Zahlen jeweils das Wort "Brennwert" beistellen. Danach kann man zu Schritt drei übergehen, nämlich zu der Beantwortung der Frage: "Welcher Schlamm, sofern er zu verbrennen ist, benötigt mehr an zuzuführender Energie?" Oder anders formuliert: "Welcher Schlamm benötigt weniger zuzuführende Energie?"
Zwingen Sie mich nicht, diese Frage(n) zu beantworten!!! Ich kann Ihnen hier nur mitteilen, dass die Differenz zwischen "Rohschlamm" und "Faulschlamm" bei der Verbrennung von Faulschlamm fehlt. Sollte jemand (fachlich geschult!) der Meinung sein, dass keine Notwendigkeit besteht die "fehlende Energie" bei einer "thermischen Nachbehandlung" zuschießen zu müssen, qualifiziert er sich für einen leitenden Job bei der Kläranlage der Stadt "Schilda". AUSFAULEN VON ROHSCHLAMM MIT ANSCHLIESSENDER VERBRENNUNG DES ANFALLENDEN FAULSCHLAMMES IST KEINE NACHHALTIGE ENERGIEGEWINNUNG (jedenfalls nicht in dieser Galaxie)!
Sollten wir darüber einen Konsens erreichen, dann sollten wir uns über mögliche Alternativen unterhalten, wie z.B. "Sinn und Unsinn bzw. Machbarkeit von Klärschlammtrocknung".
Hoffe ich bin nicht all zu arg "polemisch" rübergekommen. Gruß, Werner Schiefer

Herr DI Schiefer,
ich beziehe gerne Stellung zu den Gesetzen der Thermodynamik bzw. zur Energiebilanz. Dies verlangt allerdings, dass der Philosoph Schiefer zuhause bleibt (den haben wir hier schon zur Genüge kennen gelernt) und endlich einmal der Ingenieur Schiefer hier die Sau rauslässt und zeigt was er kann und weiß. Heute ist ein guter Tag für Sie, ich lasse mich auf Sie ein und wenn Sie es praktisch nicht beweisen können rechnen wir den Vogel einmal von A bis Z durch und beweisen zumindest theoretisch was geht und was nicht geht. Sind Sie damit einverstanden?
Also spielen wir eine Runde "Wer weiß was?". MITMACHEN IST AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT !!!!!
1. Frage was brauchen wir: Wir brauchen eine Trocknung und eine thermische Verwertung. Als Trocknung nehmen wir Ihren Rieseltrockner und dahinter eine Verbrennung und vielleicht einen Dampfprozess.
Ein Dampfkreislauf besteht in der Regel aus einem Dampferzeuger, einer Turbine, einem Generator und einem Kondensator. Der ideale Kreisprozess ist der Carnot Prozess und dessen Wirkungsgrad sollten wir als erstes berechnen. Um diesen berechnen zu können bräuchten wir von Ihnen Angaben darüber mit welchem Druck und Temperatur Sie beabsichtigen die Turbine zu fahren und natürlich die Kondensatortemperatur. Damit können wir die Wirkungsgrade berechen und dann folgt der nächste Schritt.

Und nochmal, der Philosoph Schiefer ist an dieser Stelle nicht gefragt, sondern konzentrieren Sie sich auf die Fakten. Sie können mein Angebot auch ablehnen, dies würde aber von jedem Leser als Bedingungslose Kapitulation Ihrerseits aufgefasst werden. Entweder oder ... und am Ende werden Sie die Vorteile einer Faulung erkennen.
Heiko

Hallo Heiko, ich nehme es zur Kenntnis, dass Sie zu den Gesetzen der Thermodynmik bzw. zu der Energiebilanz keine Stellung beziehen wollen. Klärer55 hat - so glaube ich - vermutet, ich würde mich auf das EOS-Projekt der Stadt Wien "einschießen". Dies ist nicht der Fall, aber Wien liegt vor meiner Haustür und die dortige KA hat als Nachbarn eine riesige Müllverbrennungsanlage, mit der die KA eng kooperiert. Weiterhin ist das anfallende Schlammvolumen und damit die Entsorgungskosten so groß, dass es keinen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer Schlammtrocknung gibt. Wenn die Abfallwärme nicht aus einer Energiegewinnung aus getrocknetem Schlamm stammen soll, so gibt es dort - ohne nennenswerten Verlust, genügend Abfallwärme für dessen Trocknung, die der KA "überlassen" werden kann. Sie meinen, es gehe hier nur um Energiegewinnung aus Schlamm. Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass es die Entsorgungsproblematik zu lösen gilt, die mit immensen Kosten zu Buche schlägt. Hierzu kann eine effiziente Fest-/Flüssigtrennung, unmittelbar am Einlauf der KA beitragen. Sie können so die Biologie erheblich entlasten, da über die Hälfte der CSB- und BSB5-Belastung durch die Festpartikel verursacht wird. Die folgende Entwässerung des Schlammes sowie dessen weitere Eindickung auf 30% TS kann aber nicht im Interesse einer Ausfaulung sein, wohl aber die Grundvoraussetzung schaffen, den Schlamm zu trocknen. Sie verschieben mit der Ausfaulung das Problem in den Entsorgungsbereich, da man dem brennwertreduzierten Schlamm seine entnommene Energie, zwecks Verbrennung, wieder zuführen muss. Wie man damit Nachhaltigkeit erreicht haben will bzw. wie ein solches Verfahren mit den Zielen des Abfallwirtschaftsgesetzes in Einklang steht, auf diese Ausführungen bin ich gespannt.
Zwei Dinge noch: 1.)Sobald man eine pelletierbare Schlammkonsistenz erreicht hat (ca. 50% TS) steht einer wirtschaftlichen Trocknung - und damit einer Lösung der Entsorgungsproblematik - nichts mehr im Wege. 2.) Wer der Meinung ist, dass wirtschaftliche Schammtrocknung nicht möglich ist, sollten nicht mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, dass es ihnen einer (nicht etwa einredet, sondern)beweist.
Vielen Dank!



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